Matschwetter

Zweimal im Jahr, zwischen Winter und Frühling und dann wieder im Herbst, hat man mit Matschwetter zu kämpfen. Die Wolken wollen das Dach berühren, so schwer hängen sie am Himmel und die Stimmung ist trist und grau, sowie das Wetter selbst. Kaum ein Sonnenstrahl blinzelt durch die Decke der Wolken, es ist nass und kalt. Nichts macht wirklich Spaß und man kann es kaum erwarten, bis sich das Wetter endlich ändert. Der graue Herbst solle endlich aufhören, und dem Winter in seiner schönsten Form Platz machen. Schlitten und Weihnachtsdekoration liegen schon bereit, und mancher kämpft sich durch das triste Novemberwetter, um schon einige Einkaufstouren bezüglich des nahenden Weihnachtsfestes zu erledigen. Wie schön es wäre, bei Schneegestöber durch die Stadt zu bummeln; man kann den Geruch der Weihnachtsmärkte schon beinahe riechen. Doch es hilft nichts: Man muss ausharren, bis der Umschwung des Wetters auch endlich die Stimmung wieder ändert.

Spätestens zwei Wochen nach Weihnachten ändern sich die Gefühle wieder. Nun ist der Schnee schon lästig, um man hat die Nase voll davon, jeden Morgen den Schnee vom Auto oder den Frost von den Scheiben entfernen zu müssen. Schon früh beim Aufstehen schüttelt es einen, beim Gedanken daran, trotz dicke Winterjacke und Mütze in die Kälte hinaus zu müssen, um an den Arbeitsplatz gelangen zu können. Neigt sich der Winter dann dem Ende zu, setzt das Tauwetter ein. Der schöne weiße Schnee wird grau und unansehnlich, weil sich der Schmutz der Straße überall im schmelzenden Schnee anlegt. Überall sind Pfützen, es regnet, ist neblig und immer noch kalt. Viele Menschen sehnen sich wenigstens einige Sonnenstrahlen herbei, doch der Wetterbericht bleibt unerbittlich.

Die Wiesen triefen vor Nässe, im Wald ist es ungemütlich, an den Bäumen noch kein Blatt. Kein Vogelgezwitscher ist zu hören und auch sonst lässt sich keines der Tiere, die man im Sommer manchmal erblicken kann, sehen. Jeder Gang mit dem Hund wird zur Qual und statt lustige Ausflüge zu unternehmen, sitzt man zuhause vor dem Fernseher. Immer wieder fällt der Blick zum Fenster, auf die traurigen Zustände, die draußen herrschen. Jedes Auto, das vorbeifährt, lässt Schmutz und Wasser hochspritzen und wer nicht unbedingt auf die Straße muss, bleibt am besten einfach zuhause.

Oftmals kann man die Gedanken nicht aufhalten, in die nahe Zukunft zu schweifen. Man träumt sich in den Frühling, sieht sich auf einer Bank im Park sitzen, um sich herum die zarten Knospen der Blumen, eine grüne Wiese, die erwachenden Bäume und vergnügte Menschen, die das schöne Wetter genießen. Die Zugvögel sind von ihrer Winterreise zurück, und während man so vor sich hin sinniert, denkt man darüber nach, ob man das diesjährige Grillen Gasgrill oder Holzkohlegrill bewältigen lässt. Während man schon die saftigen Koteletts und die leckeren Würstchen in Gedanken gar werden sieht, reißt einen das Tosen des Frühjahrssturms aus seiner Traumwelt. Ein erneuter Blick aus dem Fenster Zeit die schonungslose Wahrheit: In den Wiesen versinkt man immer noch, die Bäume stehen immer noch kahl und traurig an ihrem Platz, und auch kein Vogel ist zu hören oder zu sehen.

Es wird noch einige Wochen dauern, bis das Wunschdenken endlich Wirklichkeit wird, und der Frühling Einzug in das Land halten kann. Erst dann kann man alle dicken Wintersachen in die hintersten Winkel des Kleiderschranks verstauen, die Stiefel gegen leichte Schuhe austauschen und muss nicht mehr mit Erkältungen und anderen Zipperlein der Übergangszeit leben. Der Tag wird kommen, an dem man die Sonne durch die weit geöffneten Fenster in das Haus lassen kann, sich am Erblühen der Natur erfreuen und das sonnige Wetter genießen darf. Der Tag ist bald da, an dem die Winterreifen gegen die Sommerreifen ausgetauscht werden dürfen und auch das Autofahren, ohne Nebel, Schneeregen und frühe Dunkelheit, wieder Spaß macht.