Sind die Deutschen zu ängstlich?
Laut aktuellen Studien zur Selbstständigkeit in Deutschland ergeben sich teils überraschende, teils schockierende Zahlen. So sieht die deutliche Mehrheit eine Selbstständigkeit als Chance an, um sich selbst zu verwirklichen, eigens zu bestimmen, wie man den Tag einteilt und von zu Hause aus arbeiten zu können. Doch mindestens eine genauso deutliche Mehrheit scheut auch davor zurück, eine Selbstständigkeit anzugehen. Dabei sind die Hauptgründe in den finanziellen Risiken zu sehen, aber auch im fehlenden Startkapital. Erstaunlich bei diesen Studien ist jedoch, dass scheinbar nur sehr wenige Frauen eine Selbstständigkeit für sich in Betracht ziehen, erstaunlich deshalb, weil gerade die Frauen in den letzten Monaten und Jahren immer häufiger diesen alles entscheidenden Schritt gewagt haben. Und viele von ihnen haben die ersten Monate, oder mittlerweile gar Jahre der Selbstständigkeit äußerst gut überstanden und können auf eine erfolgreiche Zeit zurück blicken, auf eine noch erfolgreichere Zukunft schauen.
Dabei werden insbesondere die Klein- und Kleinstbetriebe, die vielleicht einst als Ich-AG gegründet wurden, zunehmend zum Job-Motor in Deutschland. Denn immer mehr der einst so kleinen Unternehmen hat seine Kapazitätsgrenzen bereits erreicht und ist nach recht kurzer Zeit am Markt auf der Suche nach geeignetem Personal. Für die wirtschaftliche Krise sind diese kleinen Unternehmen, die von der Regierung häufig unbeachtet bleiben, also ein wichtiger Faktor, um diese zu stoppen.
Dabei haben die Frauen und auch Männer, die besonders klein angefangen haben, einen entscheidenden Vorteil gegenüber den großen Unternehmen. Sie wissen genau, wie jeder Arbeitsschritt im Unternehmen abzulaufen hat, sie wissen genau, welche Arbeit hinter einer ganz bestimmten Aufgabe steckt und können so auch die Arbeitszeit für ihre Mitarbeiter realistisch einschätzen. Dadurch, dass man nur ungern bereit ist, auf das eigene Einkommen zu verzichten, werden die einstigen Gründer auch weiterhin aktiv an den einzelnen Aufgaben im Unternehmen mitwirken. Statt sich zurück zu lehnen und sich nur noch um administrative Aufgaben zu kümmern, werden sie weiterhin mit anpacken.
Zugegeben, um wirklich erfolgreich gründen zu können, bedarf es schon mehr als einer zündenden Geschäftsidee. In jedem Fall muss kaufmännisches Basiswissen vorhanden sein, ein Konzept muss erstellt werden, in dem die gesamten Ausgaben möglichst genau aufgeführt werden, angefangen von der Werbung, über den Bürobedarf bis hin zu Mieten und Personalkosten ist hier jeder Posten zu bedenken. Denn gerade wenn man bei der Gründung auf Fremdkapital angewiesen ist, wird man dieses nur dann erhalten können, wenn man ein funktionierendes, glaubwürdiges und erfolgversprechendes Konzept vorlegen kann, den so genannten Businessplan. Wer sich unsicher ist, wie dieser auszusehen hat oder nicht recht weiß, welche Daten dabei nun wirklich wichtig sind, kann bei jeder IHK oder beim Steuerberater entsprechende Beratung erhalten.
Neben dem Konzept gehören auch eine kräftige Portion Mut und der Wille zum Erfolg zu einer Gründung. Das bedeutet aber auch, dass man gerade in den ersten Monaten und Jahren mit 60, 80 und mehr Wochenstunden rechnen muss, die für die Arbeit und den Aufbau des eigenen Unternehmens einfach benötigt werden. Des Weiteren sollte die Familie hinter dem Gründungswilligen stehen, denn allzu oft kommt es durch die extremen Arbeitszeiten zu Streitigkeiten in der Familie und damit zu einer Zerreißprobe der Nerven. Auf der einen Seite will man das Unternehmen voran bringen, auf der anderen die Familie nicht enttäuschen. Eines von beiden wird jedoch unweigerlich auf der Strecke bleiben, steht die Familie nicht absolut hinter dem Gründer. Deshalb ist hier genau abzusprechen, dass es eben in der Anfangszeit zu Kompromissen kommen wird, dass Familie und Freunde Abstriche machen müssen. Wenn das Unternehmen aber erst einmal richtig läuft, man durch zusätzliches Personal entlastet werden kann usw., dann findet man auch wieder mehr Zeit für sich selbst. Auf diesen Punkt gilt es dann gemeinsam hin zu arbeiten, mit der Familie und für sich selbst.
